Inhalt - Geschichte der SAKK

Geschichte der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK)

Pionierzeit der Anfangsjahre

Gründer der Schweizerischen Chemotherapiegruppe

1965 eröffnet die Zentralstelle für klinische Tumorforschung in einem Neubau des Tiefenauspitals in Bern. „Der Einzelne ist machtlos, das Team erreicht mehr“ mit diesem Leitsatz wurde die Zentralstelle der Öffentlichkeit präsentiert. Aber die Zentralstelle hatte bereits zu Beginn mit finanziellen und organisatorischen Problemen zu kämpfen. Infolgedessen spaltete sich eine Gruppe junger Onkologen ab und gründete unter der Leitung von Kurt W. Brunner die Schweizerische Chemotherapiegruppe, die Vorläuferorganisation der heutigen SAKK.

Zitat Kurt W. Brunner: „Die Mitarbeit erfordert aber eine Einschränkung der individuellen Entscheidungsfreiheit zu Gunsten des gemeinsamen Ziels und im Interesse der Auswertbarkeit einer Studie. Diese Forderung steht mit unserer ausgesprochenen Individualmedizin oft in einem gewissen Widerspruch, der nur überwunden werden kann durch den festen Willen, gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Parallel zur Arbeit der noch kleinen Chemotherapiegruppe entstehen Onkologiezentren in Genf, Lausanne, Neuenburg später Bern, Zürich, St.Gallen und im Tessin.

Politische Vorstösse zur Förderung der klinischen Forschung

1969 wird die Motion Schaller eingereicht. Die Motion basiert auf einem Memorandum von Brunner, Martz, Maurice und Senn. Die Gründer der SAKK. Da lediglich ein Drittel aller Krebserkrankungen wirksam mit Strahlentherapie oder Chirurgie behandelt werden kann, fordern die Verfasser das Vorantreiben der neuen chemotherapeutischen Methoden aus den USA.

Der Name SAKK entsteht

1. SAKK Logo

1971 wird die Chemotherapiegruppe zur Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung SAKK – mit dem Namenswechsel wird die Multidisziplinarität integriert (Chirurgie, Radiotherapie, Chemotherapie).

Erste offizielle Unterstützung durch die Bundesbehörden

Prof. Pierre Alberto

Nach diversen neuerlichen politischen Stellungnahmen nimmt 1972/73 eine abschliessende Behandlung der Motion Schaller Gestalt an. Ein nationales Zentrum wird verworfen, es scheiterte wiederum an den föderalistischen Strukturen und den hohen Kosten, die anlässlich der Wirtschaftskrise abschreckend wirkten. In der bundesrätlichen Botschaft vom 11. März 1974 wird jedoch die notwendige Förderung der SAKK betont. Im Bundesbeschluss wird verfügt, die SAKK 1975 bis 1979 mit 6.25 Mio. Franken zu unterstützen. Die Verwaltung dieses Rahmenkredits geht an das Amt für Wissenschaft und Forschung.

1975 übernimmt Prof. Pierre Alberto die Präsidentschaft der Gruppe, wie er selber sagte: „Je n’avais pas le choix“. Unter seiner Leitung entsteht der erste feste Sitz der SAKK an der Rue Carouge in Genf. Die medizinische Statistik steckte damals noch in den Kinderschuhen und so engagierte Pierre Alberto einen emeritierten Professor der angewandten Statistik, Prof. Arthur Linder, der die Gruppe in statistischen Fragen beriet. Denn wie Pierre Alberto sagte: «nous n’avons aucune idée de la statistique médicale à ce temps!»

1981 wird Prof. Franco Cavalli Präsident der SAKK. Der Name SAKK erfreut sich grosser Bedeutung und die Publikation entscheidender Studien in den Bereichen Leukämie, Kolon- und Mammakarzinom tragen den Namen der SAKK in die Welt hinaus. Das noch junge Fach der Onkologie ist damals geprägt von einer intensiven Zusammenarbeit, denn nur miteinander können sich auch die einzelnen Onkologiezentren an den Spitälern weiterentwickeln. Oder wie Franco Cavalli sagte: „Jeder sprach damals in seiner Muttersprache und wurde doch von allen verstanden“.

Wachstum und Schaffung neuer Strukturen

Prof. Hans-Jörg Senn

Prof. Hans-Jörg Senn wird 1988 Präsident der SAKK. Hans-Jörg Senn prägt wie kein anderer die internationale Zusammenarbeit mit der IBCSG und gilt als Pionier der Schweizerischen Brustkrebsforschung.

Zeitgleich mit der Übernahme der Präsidentschaft durch Prof. Urs Metzger wird 1991 auch das SIAK (Schweizerisches Institut für angewandte Krebsforschung) gegründet. So sollen die SAKK, die SPOG (Kinder-Onkologie) und die Vereinigung der Schweizerischer Krebsregister (VSKR) vereinigt und einziger Ansprechpartner der Bundesbehörden für patientenorientierte Krebsforschung werden.

1994 wird Prof. Aron Goldhirsch Präsident der SAKK. Er legt konsequente wissenschaftliche Massstäbe an die klinische Forschung und die Übertragung der Resultate in die Klinik an, „by applying rigorous methodology to interpret the results of well-designed and accurately reported studies“. Sein Kredo „one for all, all for one“ ist legendär. Prof. Goldhirsch bleibt 10 Jahre im Amt.

Wie weiter mit der SAKK?

Prof. Richard Herrmann

Die Einführung des Heilmittelgesetzes 2002 bringt für die SAKK einige Hürden mit sich. Prof. Goldhirsch legt sein Amt nieder – die Organisation steht vor einem Wendepunkt. An einer Versammlung der Zentrumsleiter 2004 in Zürich wird über die Zukunft diskutiert. Prof. Richard Herrmann willigt ein, das vakante Präsidentenamt zu übernehmen. Er macht aber zur Bedingung, dass die komplizierte Struktur, mit dem SIAK als Dachorganisation, vereinfacht wird.

40 Jahre SAKK – zurück in alter Form

Die SAKK wird wieder selbständig: anlässlich der Versammlung im Herbst 2007 stimmen die Delegierten einer Fusion des SIAK mit der SAKK zu. Dies führte nach 16 Jahren zur Integration der bisherigen Organisation SIAK in die Fusionspartnerschaft, welche unter dem Namen SAKK weitergeführt wird.

2009 Das Koordinationszentrum der SAKK in Bern hat sich in den letzten Jahren zu einem Kompetenzzentrum für die nationale und internationale Organisation klinischer Studien entwickelt.

2010 übernimmt Prof. Beat Thürlimann das Präsidium von Richard Herrmann und wird 2016 von Prof. Roger von Moos abgelöst.  Heute beschäftigt die SAKK 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie schliesst jährlich rund 1000 Patientinnen und Patienten in Studien ein und hat ein Budget von 13 Mio. Franken. Seit der Gründung sind 50 Jahre vergangen und 25‘000 Patienten in Studien der SAKK behandelt worden – aber das Ziel ist geblieben: wir wollen die bestmögliche Krebsbehandlung für Patientinnen und Patienten.